Der Gong
Klang & Schwingung in unserem Leben
Nada Brahma – die Welt ist Klang. Oder genauer gesagt: Schwingung. Diese Weisheit aus den alt-indischen Schriften, den Veden, wird in der modernen Wissenschaft in gewisser Weise bestätigt: jede Art von Materie wird in der Quantenmechanik, der physikalischen Theorie des Allerkleinsten, als Wellenfunktion beschrieben, ganz analog zur Schwingung einer Saite. Das ist alles, was von der fest und undurchdringlich scheinenden materiellen Welt „übrig bleibt“, wenn wir immer genauer und genauer, jenseits des Kleinsten vom Kleinen hinsehen: Schwingung. Aber auch in unserer täglichen Erfahrung: Wärme, Licht und Klang sind Schwingung unseres Lebens, das Rauschen des Meeres, Ebbe und Flut, das Auf und Ab der Atmung, der Rhythmus von Tag und Nacht, die Jahreszeiten: Schwingung. Kein Wunder, dass Schwingung, dass Klang uns seit je her tief berührt und uns auf allen Ebenen unseres Wesens anspricht: körperlich, geistig und emotional.
Der Gong, sicherlich eines der ältesten Instrumente der Menschheit, ist dabei ganz besonders: machtvoll oder leise erhebt sich sein Klang aus der Stille. Jenseits unserer Vorstellungen von Musik und Harmonie hören wir nicht nur seinen Klang, sondern spüren die Schwingung im ganzen Körper: der Körper als „drittes Ohr“ spielt eine wichtige Rolle. Einmal angeschlagen klingt der Gong weiter und weiter. Jeder neue Anschlag überlagert sich mit der Schwingung, die bereits durch den Raum wandert. Auf diese Weise webt der Gong nach und nach einen Klangteppich, der uns sanft einhüllt. Oder er formt eine mächtige Welle, die uns mitreißt und davon trägt. Und so umfasst auch die Wirkung des Gongs auf uns Menschen ein breites Spektrum, das, je nach Spielart, von tiefer Entspannung und Schlaf über Meditation und tranceähnlichen Zuständen bis hin zu Ekstase und Einheitserfahrungen reichen kann.
Yogi Bhajan, der seit den 1970er Jahren das Kundalini-Yoga im Westen bekannt gemacht hat, wird beispielsweise nachgesagt, dass er den Gong nutzte, um seine zahlreichen Hippie-Schüler vom Drogenkonsum weg zu bewegen und ihnen zu zeigen, dass ähnliche Erfahrungen auf ganz unschädliche Art und Weise möglich sind. Und so hat sich im Kundalini-Yoga eine Art des intensiven, transformativen und ekstatischen Gongspiels entwickelt, die als „White Sound“ bekannt ist, in Anlehnung an „White Noise“, weißes Rauschen, ein technischer Begriff für Rauschen, das gleichmäßig alle Frequenzen enthält.
Körperlich und physikalisch gesehen ist dies einer der zentralen Wirkungsmechanismen des Gongs: in seinem breiten Frequenzspektrum schwingen zahlreiche, oft nah beieinander liegende Frequenzen gleichzeitig und es entstehen sogenannte Schwebungen: niederfrequente Modulationen des Klangs, die direkt unsere Gehirnaktivität beeinflussen können. Und so geschieht es quasi „ganz von selbst“, dass das Gehirn in einer so genannten Frequenz-Folge-Reaktion in einen Zustand übergeht, der von Theta-Wellen geprägt ist, denjenigen Gehirnwellen, die für Trance und tiefe Meditation charakteristisch sind. Man könnte sagen, wir werden vom Gong meditiert.
Aber auch auf emotionaler Ebene kann die intensive Schwingung eines Gongs vieles ausgleichen, an die Oberfläche befördern und in Heilung bringen. Wie eine Rundum-Massage, die in die Tiefe dringt, lädt der Gong ein, loszulassen und Kontrolle abzugeben und kann so Verspannungen, emotionale Blockaden und eingeschlossene Energien befreien. Ein wenig wie das Meeresrauschen an einem einsamen Strand, das es uns erlaubt tief zu entspannen und loszulassen – nur körperlicher, durchdringender, intensiver, jede Zelle erfassend. Und so kann Gongspiel, richtig eingesetzt, auch tiefgreifende therapeutische Wirkung entfalten.
Der Klang des Gongs ist ein Kanal reiner Wahrheit,
und wo immer Wahrheit erfahren wird, geschieht Heilung.
Don Conreaux
Und auch das Karussell unserer Gedanken kann sich entspannen. Wie viele Menschen kämpfen darum, einmal, zumindest kurz, Gedankenstille zu erleben? Das Rauschen eines Gongs ist auf geheimnisvolle Art intensiv genug, um oberflächliche Gedanken augenblicklich verblassen zu lassen, so dass der Raum sich für Tieferes öffnet. Geborgenheit, Fürsorge werden erfahrbar, Klarheit und visionäre Impulse aus tieferen Schichten können sich zeigen.
Und dann ist da noch ein tiefer spiritueller Aspekt. Im Zen gibt es eine berühmtes Koan, eine der vielen paradoxen Fragen und Geschichten, die uns auffordern, über unser konzeptuelles Denken hinaus zu gehen:
Was ist der Ton der einen Hand?
Siehe, zwei Hände klatschen: klatsch, klatsch.
– Was ist der Ton der einen Hand?
In unserer Welt der Gegensätze hat alles ein Gegenüber: Subjekt und Objekt, gut und böse, oben und unten, linke Hand und rechte Hand, ich und du. So nehmen wir uns wahr, wurden wir sozialisiert und identifizieren uns für gewöhnlich. Aber was, wenn wir darüber hinaus gehen? Wer bist du, bin ich, sind wir jenseits davon? Was ist der Ton der einen Hand? Der unangeschlagene Ton, der in deinem Herzen erklingt? – Dieser Herzensraum, dieses Zentrum unseres Lebens und Seins und gleichzeitig das energetische Zentrum in der Mitte unserer Brust heißt auf Sanskrit Anahata, wörtlich das Unangeschlagene. Ein Raum jenseits der Gegensätze, ein Raum der Einheit, des Absoluten. Unbeschreiblich und nur direkt erfahrbar. Wenn du bereit bist und dich öffnest, kann der Klang des Gongs dich direkt dort hin führen:
Hörst du den Klang des Gongs,
hörst du den Klang des ganzen Universums!
Sei willkommen zu deiner persönlichen Klangreise und entdecke die Möglichkeiten von Klang und Schwingung in deinem Leben!!